Panikattacken - wenn die Angst immer mit dabei ist
Top

Panikattacken – wenn die Angst immer mit dabei ist. Ich habe das immer im Hinterkopf… was ist, wenn ich jetzt eine Panikattacke bekomme? Im Supermarkt, im Club, beim Autofahren, bei Familie/Freunden, im Kino, egal wo…

Dieser Gedanke macht mir Angst und es steigt Panik in mir auf… Und ich hatte auch schon Panikattacken im Flugzeug, im Auto, beim Einkaufen, usw. schon vor Jahren. Aber damals habe ich sie nicht als Solche wahrgenommen. Sondern einfach als Angst und Überforderung. Was es in dem Sinne auch ist, allerdings wusste ich bis da nicht, dass ich eine Angst- bzw. Panikstörung habe.

Mittlerweile weiß ich das und dieser Diagnosepunkt hat sich zu meiner schweren widerkehrenden Depression hinzugefügt. Leider. Aber auch gut, denn jetzt kann ich damit besser umgehen.

Auch wenn die erste richtig krasse Panikattacke mich überfahren hat, wie ein LKW mit 100 km/h. Es war kurz vor meinem 34. Geburtstag. Ich lag auf dem Sofa meiner Eltern und versuchte ein bisschen runter zu kommen. Eigentlich war ich ganz ruhig und ich habe auch an nichts Spezifisches gedacht. Und dann kam es. Mir wurde schlecht und schwindelig. Meine Arme und Beine haben gekribbelt. Ich konnte nicht mehr aufstehen und bekam Panik. Denn mein Hals schnürte sich zu und ich konnte nicht mehr richtig atmen. Ich hyperventilierte, bekam keine Luft mehr, verkrampfte und fing an zu zittern. Ich konnte nicht mehr sprechen und fing heftig an zu schwitzen.

Am Anfang versuchten meine Eltern mich noch zu beruhigen und mit mir zu atmen, aber ich hatte Todesangst und dachte wirklich, ich muss jetzt sterben. Ich hatte keinerlei Kontrolle mehr über meinen Körper und das versetze mich noch mehr in Panik. Ich konnte mich einfach nicht beruhigen, geschweige denn normal atmen. Mein Papa hatte mich fest umschlungen (er ist Ersthelfer) und hat mit mir ganz ruhig geredet und versucht mich runter zu holen und wieder normal zu atmen. Ich konnte einfach nicht, ich hab es wirklich versucht, aber ich hatte so unglaublich große Angst. Und dachte, ich muss jetzt sterben.

Panikattacken – wenn die Angst immer mit dabei ist

Panikattacken-psychosomatische Tagesklinik-Burnout-Depression-Panik und Angst-verarbeiten-heilen-fashionkitchen-therapie-mentalhealth-mentalegesundheit

Ich weiß noch, dass ich mich mit meinen Fingern so extrem in seinen Arm gekrallt habe, dass er danach nen blauen Fleck hatte… Ich konnte nicht los lassen. Selbst wenn ich wollte, mein Gehirn war im totalen Panikmodus. Meine Mama rief schließlich den Notarzt und die Helfer waren auch nach einigen Minuten da.

Die Sanitäter brauchten drei Anläufe, bis Sie meine Vitalwerte gemessen bekamen. Grund dafür? Ich habe so gekrampft und gezittert, dass das Gerät nichts aufzeichnen konnte. Ich war mittlerweile patsch nass und schweißgebadet. So eine Panikattacke ist Schwerstarbeit für den Körper, aber dazu später mehr. Die Panikattacke hielt jetzt schon knapp 30 Minuten an und endlich bekam ich ein Beruhigungsmittel (als Tablette unter die Zunge). Innerhalb von Minuten normalisierte sich meine Atmung, die Verkrampfungen lösten sich und nach etwas zehn Minuten fiel ich in einen sehr tiefen Schlaf.

Ich habe absolut nichts mehr mitbekommen und geschlafen wie ein Stein. Nichts geträumt, keine innere Unruhe, keine Gedanken, einfach nur Schlaf. Meine Eltern haben gesagt, ich habe mich auch stundenlang nicht beweg und so flach geatmet, dass Sie immer mal wieder geschaut haben, ob ich noch atme.

Um kurz vor 1 Uhr Nachts bin ich dann zum ersten Mal wach geworden. Ich hatte seit 19 Uhr abends geschlafen und wusste gar nicht so recht, wo ich war. Die Notärzte meinten, ich solle die nächsten Tage unbedingt unter Beobachtung bleiben und bei meinen Eltern schlafen. Also bin ich in mein altes Kinderzimmer, habe mir einen Schlafanzug angezogen und habe mich wieder hingelegt und bis zum nächsten Tag kurz vor Mittag geschlafen.

Ich dachte, ich muss jetzt sterben…

Ich kann Euch nicht sagen, wie unglaublich gut der Schlaf mir getan hat und wie sehr ich wieder so eine Tablette haben wollte. Denn ich habe gemerkt, wie langsam die Wirkung nachgelassen und ich wieder die Unruhe, usw. bekommen habe. Meine Mutter verneinte die Frage nach der Tablette. Die paar Stück, die die Notärzte dagelassen hatten, waren nur für den Notfall.

Ein paar Tage später hatte ich bei meinem Psychiater einen Termin und er verschrieb mir das Beruhigungsmittel in niedriger Dosis. Mein Stresslevel war zu diesem Zeitpunkt so extrem hoch, dass ich komplet runter gefahren werden musste, ihm wahrsten Sinne des Wortes. Ich nahm also einige Monate Beruhigungsmittel, um mich nicht mehr wie auf einer „Rüttelplatte“ zu fühlen, endlich wieder einigermaßen, schlafen, essen und etwas runter fahre zu können.

In dieser Zeit, durfte ich nicht Auto fahren, da das Medikament ja eine beruhigende Wirkung hatte und sich das auf die Aufmerksamkeit auswirken kann. Auch wenn es bei mir nur niedrig dosiert war. Ich wollte das Risiko nicht eingehen, auch noch in einen Autounfall verwickelt zu sein, deswegen hieß es für einige Monate – nicht mehr hinters Steuer. Was für mich aber ok war.

Nach so einer Panikattacke fühlt man sich wie von einem LKW überfahren, als ob man das ganze Wochenende durchgefeiert, wach gewesen und einen Marathon gelaufen hätte. Ich habe fast eine Woche gebraucht, bis ich wieder einigermaßen stabil war. Der Körper ist vollkommen erschöpft und ausgelaugt.

Denn eigentlich ist so eine Panikattacke ein Urinstinkt und mobilisiert „übermenschliche Kräfte“ im ganzen Körper. Herzschlag und Atmung werden schneller, es wird vermehrt Adrenalin ausgeschüttet und der Körper bereitet sich auf die Flucht bzw. einen Angriff vor. Wir können jetzt härter zuschlagen, schwere Dinge hochheben, schneller laufen, usw. Das hilft, wenn man vor etwas Angst hat und weg rennen muss oder einem Kampf ausgesetzt ist (wie der Neandertaler vor dem Säbelzahntiger).

Auch bei einer Panikattacke bereitet sich der Körper auf diese „Flucht“ vor. Nur sehr oft (zumindest ist es bei mir so), kann man dann nicht mehr laufen, geschweige denn, sich bewegen oder sogar sprechen. Die überschüssige Energie kann der Körper nicht verarbeiten. Man hyperventiliert – bekommt keine Luft mehr und denkt man erstickt! Der Körper bekommt zu wenig Kohlendioxyd, weil man zu kurz ein und aus atmet. Man sollte drei Sekunden ein und sechs Sekunden aus atmen. So stimmt der Kohlendioxydgehalt im Blut wieder und die Panik vergeht langsam. Entweder man versucht es mit der 3-6-Atmung oder man nimmt einen Gefrierbeutel, gibt ihn über Mund und Nase und versucht langsam zu atmen.

Das haben meine Eltern bei mir auch versucht, aber ich war so panisch, dass ich noch mehr hyperventiliert habe. Ich glaube, alleine hätte ich mich nicht mehr beruhigen können. Das Beruhigungsmittel war da der einzig richtige Schritt.

Das Beruhigungsmittel war der einzig richtige Schritt – mein Stresslevel war viel zu hoch

Der Körper versucht bei einer Panikattacke also überschüssige Energie loszuwerden. Dies äußert sich dann in einigen Beschwerden bzw. Symptomen: Panik, hyperventilieren, schwitzen, hoher Puls bzw. Herzschlag, Mundtrockenheit, Schwindel und Übelkeit, Kribbeln in Händen und Füßen, zittern und krampfen, sich nicht mehr bewegen können, nicht mehr sprechen können, Todesangst, usw.

All das sind keine körperlichen Beschwerden. Also man ist nicht krank oder bekommt einen Herzinfarkt, weil etwas mit dem Körper nicht stimmt. Das alles löst ganz alleine die Psyche und die Angst vor der Angst aus. Körperlich ist man also gesund, aber eben von der Psyche her nicht.

Im Grunde sollte man, wenn sich eine Panikattacke anbahnt, sich bewegen und ruhig atmen. Die Panik zulassen und sich sagen „ich werde nicht sterben, ich schaffe das, ich lasse die Panik kommen und atme ganz ruhig weiter.“ Wie bei so vielen Dingen, ist das immer leichter gesagt als getan. Ich hatte mittlerweile schon einige Panikattacken, in jeglicher Ausführung und Intensität. Viele konnte ich einfach veratmen oder mich mehr bewegen und mir selbst gut zureden.

Bei anderen Malen habe ich es nicht geschafft und musste die Panikattacke durchleben. Oft passiert mir das Nachts und dann fühlt es sich wirklich so an, als wäre man wach, aber irgendetwas drückt einen mit aller Gewalt in die Matratze und man kann nicht schreien oder sich irgendwie bewegen. Dann bleibt einem nichts anderes übrig, als die Panikattacke über sich ergehen zu lassen.

Bisher war ich bei einer richtig krassen Panikattacke – Gott sei Dank – nie alleine, so konnte immer schnell gehandelt werden. Das letzte Mal hat mein Freund den Notarzt und meine Eltern angerufen und beide waren sofort da. Er hat mir danach gesagt, dass er dachte ich sterbe, weil ich zeitweise auch gar nicht mehr Luft geholt habe.

Bei einer Panikattacke bereitet sich der Körper auf „Flucht“ vor, aber ich kann mich dann einfach nicht mehr bewegen oder sprechen…

Meine Eltern wussten sofort was zu tun ist und haben mit mir geatmet, mich beruhigt und mit mir gesprochen. Als ich immer wieder so Atemaussetzer hatte, hat mich meine Mama angeblasen, das ist ein kleiner Trick, den man auch bei Babys anwenden kann. Denn dann holt man sofort wieder Luft. Ich hatte aber so Panik, dass ich hyperventiliert habe, dass ich nicht mehr Luft holen konnte. Mein Freund hat meine verkrampfte Hand gehalten und mir gut zugeredet. Dann waren die zwei super lieben Notärzte da und haben sich um mich gekümmert. Dieses Mal wollte ich kein Beruhigungsmittel, sodass sie mich so versucht haben zu beruhigen und nach knapp einer Stunde war dann der Spuk auch wieder vorbei. Ich konnte die Augen aufmachen und auch wieder ein bisschen reden. Meine Hände, Füße und Körper haben sich langsam wieder entspannt.

Ihr wisst gar nicht, was das in mir auslöst, das alles so runter zu schreiben und das quasi nochmal zu durchleben. Es ist unglaublich aufwühlend und auch beängstigend. Denn so eine Panikattacke kann jederzeit passieren. Es gibt keine bestimmten Auslöser, zumindest bei mir nicht. Allerdings merke ich, wenn ich angespannt, unruhig und gestresst bin, die Gefahr eine Panikattacke zu bekommen, sehr sehr groß ist. Und in letzter Zeit kämpfe ich wieder vermehrt damit. Weil mein Stresslevel ziemlich hoch ist… leider. Und das kostet mich unglaublich viel Kraft und Energie. Deswegen habe ich diesen Beitrag und allgemein den Blog so lange vor mir her geschoben. Aber heute hat es sich einfach richtig angefühlt und ich habe einfach losgeschrieben.

Im Moment will ich einfach nur wieder gesund werden, das steht bei mir an aller erster Stelle. Deswegen muss ich tun, was mir gut tut. Und gerade gehört der Blog eben nicht so sehr dazu. Aber das wird sich wieder ändern. Den Anfang habe ich ja jetzt gemacht.

Vielleicht habt Ihr ja noch Fragen zu dem Thema Panikattacken, seid Betroffen oder habt einen Angehörigen, der Panikattacken hat. Dann lasst uns gerne austauschen und darüber reden. Denn dieses Thema ist noch viel zu sehr „TABU“ genauso wie alle psychischen Erkrankungen. Das sollte sich einfach ganz schnell ändern.

Noch mehr Beiträge zum Thema „Depressionen“ findet Ihr hier.

Oder in meinen Instagram Highlight – Depression.

Comments:

  • Sonja

    23. Oktober 2022

    Hey, das hast du alles sehr gut beschrieben!!! Ich wünsche dir wirklich alles alles Gute. Für mich ist es zusätzlich schlimm, wenn Menschen, die mich kennen, denken ich müsste doch wieder gesund oder „normal“ sein, nur weil ich auch mal lache oder etwas unternehme. Ich glaube, viele denken, man sitzt einfach traurig in der Ecke…. Und sobald man einen „normalen“ Eindruck macht, ist wieder alles gut. Ich will mich nicht immer rechtfertigen und erklären, daß strengt mich an, aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte eine sichtbare oder eine nachzuvollziehende Krankheit……. Alles Gute und liebe Grüße, 🙋🏻‍♀️

    reply...
  • Isabelle

    26. Oktober 2022

    Hey Anni,
    Ich folge deinem Blog schon länger und erkenne mich in vielen wieder was Du schreibst – (leider) auch in den nicht so positiven Dingen.
    Könnte es sein dass dein Haarausfall auch psychische bzw. stressbedingte Ursachen hat? Ich kenne das von mir: habe ich mehr Stress bzw. psychischen Druck fallen auch mehr Haare aus.

    reply...

post a comment