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Realtalk – Knoten in der Brust. Ja, dieses Thema ist anscheinend genauso ein Tabu, wie Verhütung oder Menstruationstassen. Keiner spricht darüber, aber im Grunde ist es alles sehr präsent und gehört zu unserem Leben dazu. Wie trinken, essen und atmen.

Ich muss zugeben, ich habe das Thema „Knoten in der Brust“ auch sehr lange für mich behalten und nur meine engsten Familienmitglieder und ein paar Freunde wussten darüber Bescheid. Aber am besten von vorne.

Seit über 10 Jahren habe ich Knoten in der Brust, sogenannte „Fibroadenome“ welche gutartige Verwachsungen bzw. Zysten aus Drüsengewebe sind. Im ersten Moment hört sich das alles ganz ok an, jedoch erschrickt man ziemlich, wenn man seine Brust abtastet und da Knubbel bemerkt.

Nachdem mir diese Knoten aufgefallen waren, habe ich sofort einen Termin beim Arzt gemacht und untersuchen lassen. Die Ärztin teilte mir mit, dass es eben diese Fibroadenome wären und ich zu einem Screening (Ultraschall beim Radiologen) gehen sollte, um es abklären zu lassen. Gesagt, getan.

Die Ärztin war sehr nett, erklärte mir alles und es stellte sich heraus, dass ich 5 Knoten in beiden Brüsten hatte, die zwischen 1 – 3 cm groß waren. Sie riet mir, mindesten jedes halbe Jahr, sogar noch besser alle 3 Monate zur Untersuchung zu kommen. Ich beließ es aber bei zweimal im Jahr, denn ich hatte keine Schmerzen und vertraute auf die Diagnose, dass alles gut war.

Zudem ging ich sowieso einmal im Jahr zur Krebsvorsorge beim Frauenarzt, um alles abchecken und auch meine Gynefix kontrollieren zu lassen. Und hier wurde und wird auch immer die Brust abgetastet und kontrolliert.

Knoten in der Brust – und jetzt?

Die Jahre vergingen und ich hatte mal mehr und mal weniger Fibroadenome (Höchststand waren 8! Stück!). Die Zysten können sich entwickeln, aber auch wieder verschwinden. Warum das so ist? Gute Frage, der Körper ist einfach ein Wunder und manchmal sind Dinge einfach so. Es kann natürlich hormonell bedingt sein, aber zu 1000 % gibt es keine Antwort.

Im Winter 2017 war es wieder an der Zeit für die jährliche Kontrolle beim Frauenarzt. Im Sommer war ich noch beim Screening (Radiologen) und hier gab es keine Auffälligkeiten. Der Frauenarzt merkte aber, dass es Veränderungen gab, als ich zur Untersuchung war und meinte zu mir, dass die Knoten wohl größer geworden sind und ich schnellst möglich nochmal einen Termin machen sollte.

Also wieder zum Radiologen und da bestätigte sich dann der Verdacht auch. Die Knoten war größer geworden und der Größte war wohl ca. 5 cm. Die Ärztin war ziemlich ruhig und meinte dann am Schluss, ich sollte auf Nummer sicher gehen und eine Biopsie durchführen lassen. Aber dafür sollte ich nach Ingolstadt ins Klinkium „Brustzentrum“.

Ich habe also einen Termin gemacht und habe mich vorgestellt, es wurde Blut genommen, Urin untersucht und auch nochmal ein Ultraschall gemacht. Am Schluss standen drei Ärzte um mich herum, sahen auf dem Bildschirm und redeten miteinander. Dann meinte einer: „Also das können wir gleich heute raus machen. Wir nehmen Sie auf und entfernen alle Knoten.“ Ich war etwas schockiert, da ich ja nicht damit gerechnet hatte, dass ich gleich operiert werden und im Krankenhaus bleiben sollte. Meine Frage war dann: „Sind die Knoten denn bösartig?“ „Ja, das können wir erst sagen, wenn wir sie entfernt haben. „Aber ich dachte, man macht zuerst eine Biopsie?“ „Ja, das geht natürlich auch, aber wir würden sie gleich raus machen.“

Ich war in dem Moment total überfordert und fragte die Ärzte mehrmals, was denn der bessere Weg wäre und ich wirklich nur eine OP wollte, wenn die Knoten bösartig sind. Irgendwie kam immer nur die Antwort: „Das müssen Sie entscheiden.“ Ich dachte mir nur, ja schön und gut, aber ich bin doch kein Arzt, wie soll ich das entscheiden? Was ist der beste Weg?

Operation, Biopsie oder gar nichts machen?

Um ehrlich zu sein hab ich mich wirklich einfach nur verloren gefühlt. Mir kam es so vor, als ob sie einfach nur operieren wollten und im Grunde sind die Ärzte nicht auf mich eingegangen. Zum Schluss habe ich dann nochmal gesagt, dass ich dachte, dass eine Biopsie gemacht werden sollte und nicht verstehe warum sofort operiert werden soll, wenn man ja gar nicht weiß, ob die Knoten „gut- oder bösartig“ sind?

Dann durfte ich mich wieder anziehen und eine Schwester war im Untersuchungsraum. Sie sah, wie ich da saß, ein Häufchen Elend und sagte zu mir: „Waren Sie denn schon im Diagnosticum? Ich glaube, da wären Sie besser aufgehoben.“ „Nein, wo ist das genau?“ Sie erklärte mir den Weg (denn das Gebäude war gleich nebenan!) und ich ging dort hin.

Fragt nach einem Arzt den mir die Schwester genannt hatte und fragte nach einem Termin. Am Empfang sagte mir die Helferin, dass der Arzt momentan nicht da sei, ich aber meine Unterlagen dalassen könnte und der Arzt sich dann umgehend melden würde. Ich erzählte Ihr auch von der ganzen Story und sie war auch etwas schockiert, wie das abgelaufen war.

Jedenfalls dauerte es knapp zwei Wochen bis ich Info vom Arzt bekam. Er wollte, dass ich umgehend einen Termin vereinbare, damit wir eine Mammografie und weitere Untersuchungen machen und auch die Biopsie besprechen bzw. machen konnten. Mitte Juni war es dann soweit und ich war nur ein Schatten meiner selbst. Aus verschiedenen Gründen ging es mir körperlich und auch mental sehr schlecht und ich hatte auf dem Weg nach Ingolstadt einen kleinen Nervenzusammenbruch.

Ich war sehr froh, dass meine Mama dabei war und mich begleitet hat, denn alleine hätte ich es wohl nicht geschafft. Im Diagnosticum in Ingolstadt angekommen, musste ich einen Fragebogen ausfüllen und wurde für die Mammographie vorbereitet. Keine schöne Untersuchung, aber es musste ja sein. Das Gefühl, wenn deine Brust so platt wie ein Pfannkuchen gedrückt wird ist einfach absolut unangenehm und schmerzhaft.

Dann ging es ins Besprechungszimmer und Dr. Migoed erklärte alles ganz genau und welche Möglichkeiten es gab. Er sagte mir, dass ich mit der Biopsie Gewissheit hätte und man danach immer noch weitersehen könnte. Also entschied ich mich dafür, denn ich hatte mich ja mental auch schon darauf vorbereitet.

Die größte Angst ist die Ungewissheit

Die Prozedur würde knapp zwei Stunden dauern, da ich ja 5 Knoten hatte, aus denen jeweils 4 Proben entnommen werden mussten. Ich legte mich auf die Liege und der Arzt positionierte mich, dann wurden Hände und Rücken mit Handtüchern bzw. Polstern so unterbaut, dass ich in einer bestimmten Position lag und es trotzdem bequem hatte. Es sollte auch keine Gliedmaße einschlafen oder taub werden.

Und dann ging es los. Der Arzt erklärte jeden einzelnen Schritt ganz genau. „Jetzt desinfiziere ich sie, jetzt ziehe ich das Mittel für die Betäubung auf, jetzt spritze ich ein,“ usw. Ich sagte ihm, dass ich am meisten Angst davor hatte, was passiert, wie es gemacht wird, usw. Das sagt einem keiner und so spinnt man sich ein Szenario zusammen und die Angst wird immer größer.

Die Betäubung wurde rund um die Stellen eingespritzt, wo die Kanüle für die Biopsie eingeführt werden sollte. Die Stiche waren kaum zu spüren, nur das Mittel brannte etwas. Das war aber absolut auszuhalten. Dann wurde kurz gewartet, bis alles betäubt war. In der Zeit unterhielt der Arzt sich mit mir und ich wurde immer lockerer und die Angst fiel nach und nach ab.

(Während der ganzen Biopsie hat der Artzt mit Ultraschall gearbeitet. Um zu sehen, wo die Knoten genau liegen und wie diese am besten zu punktieren sind. ) Dann ging es weiter mit den Kanülen für die Biopsie, diese wurden eingeführt und man merkte nur einen Druck, keinen Schmerz. Und danach erfolgte auch schon das Stanzen (Stanzbiopsie). Je vier Mal in jedem Knoten. „Jetzt bitte ganz ruhig liegen bleiben, nicht bewegen. Es knallt jetzt kurz, bitte erschrecken Sie sich nicht. Ganz ruhig weiter atmen und nicht verkrampfen.“ Als gestanzt wurde, hörte man nur einen kurzen Knall bzw. Klacken und dann war es auch schon vorbei.

Die ganze Prozedur wurde dann eben fünf Mal wiederholt und dann war der ganze Spuck auch schon vorbei. Die Kanülen wurden entfernt, ich durfte mich nach kurzer Zeit aufsetzen und bekam einen Druckverband, den ich zehn Stunden tragen sollte. Ich bedankte mich bei dem Arzt, für seine tolle, einfühlende und ruhige Art und sagte ihm, dass ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe. Er freute sich sichtlich über das Kompliment und erklärte mir noch, wie das mit der Untersuchung der Proben ablief.

Ich sollte mich die nächsten Tage schonen und am besten einfach mal gar nichts machen. Wenn Blutungen auftreten oder ich sehr starke Schmerzen bekomme, sofort melden. Im Normalfall gibt es aber nur einen Bluterguss und wenn ich Schmerzen hätte, sollte ich einfach eine Tablette nehmen. Am besten vor dem Schlafengehen.

„Die Tränen brauchen aus mir heraus, es fiel einfach so eine große Last von mir ab…“

Ich zog mich an, ging ins Wartezimmer, wo meinen Mama auf mich wartete und wir machten uns auf den Heimweg. Als wir das Gebäude verließen brach es aus mir heraus und ich weinte einfach nur noch. Es fiel gerade so eine große Last von mir ab und ich war einfach nur froh, diese Prozedur hinter mir zu haben. Ich glaube das Gefühl kann man nur nachempfinden, wenn man so eine Situation auch schon durchgemacht hat und wirklich über Wochen und Monate die Nerven blank liegen.

Ich hatte nach dem Eingriff keine argen Schmerzen, aber je mehr die Narkose nachließ, desto mehr merkte ich, wie schwer sich mein Brustkorb anfühlte. Zum Schlafen nahm ich dann wirklich eine Tabletten und konnte auch einigermaßen gut schlafen. Den Verband machte ich auch ab und es gab – Gott sei Dank – keine Einblutungen. Die Pflaster sollten aber noch ein paar Tage auf den Stellen bleiben.

In den folgenden Tagen merkte ich, dass ich sowas wie einen sehr starken Muskelkater hatte, denn der Eingriff war ja schon lange und auch meine verkrampfte Liegeposition tat auch alles dafür. Schmerztabletten brauchte ich keine mehr und die Einstichstellen heilten auch sehr schön.

Allerdings hatte ich immer noch keine Info vom Labor, wie die Untersuchungsergebnisse der Proben waren. Also rief ich an. Beim ersten Mal sagte man mir, dass ich zurück gerufen werde, was aber nicht passierte. Und beim zweiten Anruf konnten die Proben nicht gefunden werden und ich wurde wieder vertröstet. Es gab wieder keinen Rückruf und beim dritten Mal war ich ziemlich energisch und sagte der Dame, dass ich jetzt über eine Woche auf die Ergebnisse wartete, auf heißen Kohlen saß und sowieso keine Nerven mehr hätte.

Am Abend rief mich dann meine Hausärztin zurück und sagte mir, dass alle Proben gutartige Fibroadenome waren und man Brustkrebs ausschließen konnte! Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was das in mir ausgelöst hat und wie erleichtert ich war! Ich kann es immer noch nicht in Worte fassen.

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Und warum das Ganze?

So und warum jetzt diese Zeilen hier? Ich habe vor einigen Tagen eine Erinnerung auf mein Handy bekommen und mir wurde dieses Foto angezeigt. Ich musste schlucken, denn irgendwie hatte ich das alles etwas verdrängt. Allerdings sollte man soetwas nicht verdrängen und ein Impuls in mir, lies mich einfach darauf los schreiben und das Bild bei Instagram veröffentlichen. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis zu zeigen, dass es nicht nur diese Rosarote-Zuckerwatte-Welt da draußen gibt, sondern auch ernste Themen, wie zum Beispiel: Knoten in der Brust.

Ihr habt mir darauf hin so unendlich viele Nachrichten geschickt, dass ich wirklich platt war. Dass ich nicht die einzige Frau auf der Welt mit Knoten in der Burst war bzw. bin, war mir bewusst, aber dass es so viele sind? Wow. Mir blieb teilweise der Mund offen stehen, als ich Geschichten las.

Viele schrieben mir auch, dass sie auch Knoten getastet hätten, sich aber nicht trauen würden zum Arzt zu gehen oder ein Screening bzw. Ultraschall machen zu lassen. Das ist genau falsch. Macht einen Termin, lasst Euch untersuchen. Ihr müsst keine Angst oder Scham haben. Es ist Euer Körper und Eure Gesundheit. Darauf solltet und müsst Ihr achten.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Denn es haben mich auch Nachrichten erreicht, bei denen die Probleme bösartig waren und die Diagnose Brustkrebs lautete. Und es ist leider Realität und man darf die Augen nicht davor verschließen. Also geht zum Arzt, lasst Euch untersuchen, wenn nötig auch mehrmals (verschiedene Meinungen einholen ist nie schlecht). Sprecht mit Eurer Mutter, Partner oder Freunden darüber und informiert Euch.

Vorsorge ist besser als Nachsorgen. Mittlerweile gehe ich alle paar Monate zum Screening und behalte so die Veränderungen (die viele Ursachen haben können) genau im Auge. Ich hatte im näheren Bekanntenkreis auch schon mehrere Fälle von Brustkrebs, die positiv aber leider auch negativ ausgegangen sind.

Ich hoffe ich konnte mit meiner Offenheit und diesem Beitrag etwas aufrütteln und Bewusstsein schaffen. Es kann jeden treffen und das schneller als gedacht. Ich wünsche allen Betroffenen, Durchhaltevermögen, Kraft, Mut, Kampfgeist und jede nur erdenkliche Unterstützung. Ihr schafft das!

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